Überall sind sie in der Eifel zu sehen: Die Wegekreuze. In den Ort-schaften, an Wegen, in Wald und Flur - und ein jedes hat seine eigene Geschichte. Ca. 1000 stumme Zeugen zählt man z. B. im Altkreis Prüm.

Ungefähr 70 % aller Kreuze in der Westeifel sind aus Sandstein gefertigt. Weitere Materialien für Kreuze waren Schiefer, Lavatuff und Holz. Lavatuff-Kreuze findet man hauptsächlich im Raum Seffern-Stadtkyll. Dieses Material eignet sich aber nicht besonders für Wegekreuze, daher ist die Anzahl dieser Kreuze sehr gering. Schieferkreuze gibt es im Prümer Raum etwa einhundert. Es handelt sich im Allgemeinen um kleine Kreuze aus dem 18. Jahrhundert. Gefertigt wurden diese in belgischen Werkstätten oder im Raum Salm/Birresborn, wo der Schiefer gebrochen wurde. Die Steinmetzarbeiten sind kunstvoll in Flachreliefs ausgeführt, oft tragen sie Inschriften und eine Datierung.

Als Bildmotive kommen bei allen Kreuzgruppen Blattkränze, Palmwedel, Totenköpfe, Rosetten, Blumen-ornamente und Darstellungen des Gekreuzigten in Betracht.

Beschreibung von Wegekreuzen

Mit einem Flurkreuz, auch Wegekreuz genannt, bezeichnet man ein Kreuz, dass entweder an einer Straße, einer Wegkreuzung, einem Weg, am Feldrand oder im Wald steht. Steinkreuze werden auch Hussitenkreuze, Schwedenkreuze oder Sühnekreuze genannt.
Sie haben meistens eine Höhe von 80 bis 120 cm und eine Breite von 40 bis 60 cm.
Wegekreuze findet man besonders häufig in katholischen Landstrichen. Die meisten entstanden in den vergangenen Jahrhunderten und wurden als Zeichen des Glaubens unserer Vorfahren errichtet. Sie wurden an Orten errichtet, wo entweder ein Unfall oder ein Verbrechen geschah. Viele Wegekreuze dienten auch als Wegmarkierungen oder als Hinweise für besonders gefährliche oder schwierige Wegstrecken.
Wegekreuze sind entweder aus Holz (besonders in den Alpenregionen) oder aus Stein gefertigt worden. In der Gegend um Büdesheim, sind die Wegekreuze überwiegend aus (Bunt-) Sandsteinen gefertigt.
Der wahre Aufstellungsgrund ist nicht mehr bei allen bekannt. Bei den meisten fehlt jeglicher Hinweis auf ihre Bedeutung.

Auch heute findet man an Straßen und Wegen wieder Wegekreuze aus Holz neueren Datums. Es sind sogenannte Unfallkreuze. Betrachtet man diese Kreuze genau, wird man sehr schnell feststellen, dass die Verunglückten meistens sehr junge Auto- bzw. Motorradfahrer waren. Sie sind Mahnmale, die von nahen Angehörigen zur Erinnerung an die Verunglückten aufgestellt wurden. Obwohl dies eigentlich nicht gestattet ist, tolerieren die Behörden bzw. die Polizei diese Kreuze, da diese andere Verkehrs-teilnehmer zum rücksichtsvollen Fahren ermahnen soll.


Zu den Hoheitsrechtlichen Kreuzen zählen die sogenannten:
Markt- und Gerichtskreuze: Sie stehen überwiegend auf Marktplätzen und symbolisieren das Recht des Marktes und der Gerichtsbarkeit des Ortes. Vor diesen Kreuzen wurde Gericht abgehalten, wobei die Angeklagten während der ganzen Verhandlung knieend vor den Kreuzen verweilen mussten. Meist findet man als Kennzeichen das eingemeißelte „Agnus dei", die schwörende Hand und den Galgen auf diesen Kreuzen.
Grenzkreuze zeigen die Gerichts- Bann-, Teritorial- oder Weistumsgrenzen an. Meistens ist auf diesen Kreuzen zu lesen, dass bis zu dieser Stelle der Herrschaftsbereich einer einer bestimmten Gerichts-barkeit reicht. Um einer Blutrache vorzubeugen, wurden Sühnekreuze, auf offizielle kirchliche Ver-anlassung von der Familie eines Totschlägers, aufgestellt. Es diente auch dazu, die Seele des Er-schlagenen und dessen Familie auszusöhnen.

Die zweite Gruppe besteht aus den Devotionskreuzen:
Totengedächtniskreuze (Mord und Totschlag): Diese Kreuze entstanden nach ca. 1650, als die Ge-richtsbarkeit in weltliche Hände überging. Sie sind Sühnekreuze und beinhalten als Inschrift tragische oder besondere Ereignisse mit den Namen der Verunglückten, Datum und Hergang der Tat.
Kriegskreuze: Sie erinnern an einzelne gefallene Soldaten, aber auch an Zivilpersonen, die im Krieg umgekommen sind.
Unfallkreuze sind mit den Grabkreuzen verwandt. Sie haben Ähnlichkeit mit den Totengedächtnis-kreuzen und weisen auch deren Inschrift auf.
Dank- und Gelöbniskreuze sind überwiegend von Einzelpersonen aufgestellt, wenn z. B. schwere Krankheiten überstanden wurden aber nach Erlösung von schweren Leiden. Wenn Dörfer von Kriegen, Seuchen (Pest) verschont wurden, stellten deren Gemeinschaft diese Kreuze auf.
Andachtskreuze erkennt man durch die Anrufung der Heiligen, in der Regel die Namenspatronen. „Gott zu Ehren" findet man meistens als Inschrift. Name und Erstellungsjahr sind in der Regel immer vor-handen. Diese Kreuze dienten zum Erflehen eines Gebetes für die armen Seelen.
Pilgerkreuze sind Andachtsstätten, Orientierungshilfen (Wegweiser) und auch oft Erinnerungsmale für die auf der Pilgerfahrt verstorbenen Pilger. In unserer Gegend findet man sie besonders auf Strecke „Niederrhein - Trier", „Mayen - Trier" mit dem Ziel St. Matthiaskirche in Trier (Grab des Apostels) und „Prüm - Echternach" (Springprozession).
Prozessionskreuze wurden aufgestellt z. B. für die Flurbegehungen an den Bitttagen vor Christi-Himmelfahrt und an Karfreitgs- und Fronleichnamsprozessionen (Kreuzwegstationen).
Flussfälle: Die sieben Flussfälle wahrscheinlich die Vorläuferform der vierzehn Stationen des Kreuz-weges. Sie werden, nach einem alten Brauch in der Eifel seit dem 15. Jahrhundert noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, mit Bittgängen der Kinder, die an den einzelnen Stationsbildern um die schnelle Erlösung hoffnungslos Kranker baten, in Verbindung gebracht.
Wetterkreuze sind den Prozessionskreuzen zuzuordnen und dienten zur Abwehr von Gewitter und Hagel, zum Schutz von Menschen und Tier und zum Gedeihen der Feldfrüchte. Zu erkennen meistens an der Inschrift oder aber durch die Abbildung des „hl Donatus" , dessen Atribut ein Blitz ist.

Traurig ist nur, mit welcher Unbekümmertheit und Sorglosigkeit in der heutigen Zeit mit diesen Zeitzeugen einer immer mehr nachlassenden Volksfrömmigkeit umgegangen wird.
Darum eine Bitte an alle, schützt und pflegt diese Kreuze!


Quellen:
Wikipedia

Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Geschichtsvereins Prümer Land e. V. aus „Der Prümer Landbote 28/91" - Arbeitsgemeinschaft „Brauchtum und Denkmalpflege" und
www.wegekreuze.de - Autor: Gisbert Versteegen

Wegekreuz in Fleringen.
Foto: Udo Schikora

Die Fotogalerie wird laufend erweitert!

Fotos von den Wegekreuzen
Das sagenumwobene Blutkreuz