In der Eifel gab es im letzten Jahrhundert noch Handwerk und Berufe, die es in der heutigen Zeit nicht mehr gibt und die kaum noch jemand kennt. Was war bzw. fertigte ein Müller, Kappschneider, Kesselflicker, Töpfer, Sattler oder Schmiedemeister? Fragen, die ein junger Mensch heute vielleicht nicht mehr beantworten kann.

Am Anfang sei gesagt, es sind keine typischen Eifelberufe. Diese Beruf gab es auch in anderen Regionen unserer Republik. Von eh her prägte die Landwirtschaft die Region Eifel und die Land-schaftsformen, die Flora und Fauna bestimmten die Arten von Handel, Handwerk und Gewerbe.

Viele Bauern waren auf handwerkliche Nebentätigkeiten im Winter angewiesen - vom Frühjahr bis in den Herbst galt natürlich ihr Hauptaugenmerk den Arbeiten rund um den Hof und den Stall und der Feldarbeit. Diese Arbeiten hatten in dieser Zeit absoluten Vorrang. Um ihren Lebensunterhalt in den Wintermonaten aufzubessern, betätigten sich viele als Korbflechter, Weber, Spinner und Färber. Fast jeder Bauernhof in der Region um Neurburg und Dudeldorf - einst Zentren für Weber, Spinner und Färber - hatte dort seinen eigenen Webstuhl, um Tuche aus Wolle, Leinwand und Tirtich herzu-stellen. Viele Eifelbauern betätigten sich in den Wintermonaten auch als Korbflechter. "Lohstangen" war das Material, aus dem der "Hotten" - Rückenkorb - gefertigt wurde. Die für die Rückkörbe geeingnet Stangen wurden auf die entsprechende Länge zugeschnitten und daraus wurden die Stäbe verarbeitet. Andere wiederrum wurden in lange, schmale Streifen gerissen und auf dem Knie mittels der "Kneiip" geplättet. 15 bis 20 Silbergroschen kostete damals die aus Eichenholz hergestellten Hotten, die auch teilweise aus den Gerten der Haselnussstaude hergestellt wurden. Diese waren jedoch auf Dauer nicht so haltbar.
Moospflücker waren in den Feuchtgebieten der Wälder und des Hohen Venns zu hause. Sie sam-melten Heiz-, Dung-, Streu- und Polstermaterial um für die Wintermonate Heizmaterial zur Verfügung zu haben. Die Frauen stellten aus hartem Feldmoos Bürsten her.
In der Vulkaneifel, im Raum Daun, waren es vor allem ältere Männer, die mit dem Flechten von Körben - genannt "Räste" - beschäftigt waren. Diese Körbe wurden aus Eichenrinde geflochten und dienten zur Aufnahme von Obst, Gemüse und Kartoffeln. Deneben wurden auch Eichholz-, Bienen- und Brotteigkörbe aus Weiden, Schilfrohr, Haselnussbänder oder auch Haferstroh gefertigt und verkauft.
Weit verbreitet in der Eifel waren auch die Berufe der Schuhmacherei, Besenbinder, Wachszieher, Strickerei, Drahtherstellung (z. B. in Neroth), Töpferei, Wagnerei, Köhlerei und Gerberei, um hier nur einige aufzuführen. Manche Bauern übernahmen auch die Arbeiten des Schmieds, des Kistenmachers, Sattlers, Barbiers, Hutmachers, Gürtlers, Drechslers, Hutmachers, Strohdeckers, Fuhr-manns oder Brauers.
Das Berg- und Hüttenwesen war die Domäne der Südeifel, dank der zahlreichen Vorkommen an Roteisenstein. Im Gegensatz zur Südeifel herrschte in der Nordeifel die Eisen verarbeitende Industrie vor. Pochhämmer, Hochöfen und Hüttenwerke waren hier beheimatet, wovon hier die Schmiede, die Schlosser und Gießer profitierten. Es entstand ein blühendes Gewerbe: Öfen, Platten, die bekannten und viel gerühmten Takeneisen, Töpfe, Kannen und Eimer aus Eisen wurden bis nach Frankfurt ausgeliefert.
Für die Eisenverhüttung wurde eine Unmenge an Holzkohle benötigt. Diese wurden von den Köhlern aus der Eifel produziert. In den Waldgebieten der West- und Vulkaneifel gab es daher eine vielzahl Kohlenmeiler, in denen Holzscheite zu Kohle verschwelt wurden.
Auch andere Gewerbe blühten dank der reichen Erzvorkommen auf. So waren es z. B. die Stellmacher und Wagner, Schreiner und Zimmerleute. Herrliches Fachwerk, geschnitzte Möbel und Hausrat sowie kostbare Heiligenfiguren legen bis heute Zeugnis ab vom hohen Stand der Gewerbe.
Im Raum Schönecken, Prüm und Malmedy war das Ledergewerbe beheimatet, während die Her-stellung von "Irdenware" (Steingut, Ton) in Speicher ihr Zentrum hatte. Der Töpferton wurde hier zu Schüsseln, Bechern, Tassen und "Kunmpen" geformt, gebrannt und angemalt. Die Blaumalerei war ein echtes Eifeler Markenzeichen und weit bekannt. Die Lehmvorkommen führten zum Handwerk der Ziegelbrenner, so z. B. in Niederprüm.
Dann gab es auch noch die sogenannten Wandergesellen und Hausierer, die ihre Tätigkeiten in den Eifeldörfern anboten, z. B. die Scherenschleifer, Kesselflicker, Kappesschneider.

Quelle: "Leben und Arbeiten in der Vulkan- und Westeifel", Autor Joachim Schröder, Pronsfeld
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Joachim Schröder, Pronsfeld

 
Ein Kesselflicker um 1959
Foto: Bildarchiv Joachim Schröder