Et Schonkensteckelchen

Dat Steckelchen, wat ech, ech wellen verzellen, mus em 1900 an Beddes-hem pasiert sen. Menge Jrouspap, dä Burken Pitter, woar dumols noch janz jonk. Hä suz mat noch e poar annerer jonger Burschen bej Manderscheids an der Wiertsstuff, firr e poar Biercher ze tranken.

 

Auf dieser Seite finden Sie alte Anekdoten und Geschichten aus dem Ort.

Wenn früher etwas seltsames, komisches aber auch wahres im Ort passierte, so erzählte man es weiter, offen oder auch hinter vorgehaltener Hand. Mit der Zeit wurde dann etwas hinzugefügt oder auch wegelassen, wie das so ist. So entstanden dann Geschichten, die man sich heute noch erzählt bzw. bei den älteren Dorfbewohnern noch bekannt sind.
Wir werden diese Geschichten sammeln und hier niederschreiben, wenn möglich in Mundart.
Und wieder sind wir auf Mithilfe angewiesen. Kennt noch jemand alte Geschichten aus dem Ort und möchte sie hier veröffentlichen? Dann bitten wir um Zusendung. Herzlichen Dank!

Inhalt:

>>> "Büdesheimer Kapuzen"
>>> "Et Schonkensteckelchen"

 

Büdesheimer Kapuzen

Eine Anekdote aus dem Leben der Sodalität aus Schönecken spielt im Jahr 1892 im Dorf Büdesheim. Die Sodalität spielte dabei allerdings eine eher unrühmliche Rolle:
Am 25. Januar 1892 hatte der Metzger Heinrich Manderscheid aus Schönecken die Gutsbesitzerin Susanne Leinen aus Büdesheim geheiratet und war dorthin verzogen. Als guter Junggeselle spendierte er seinem Verein wegen seines Austrittes ein Faß Bier, das im Lokal seiner Schwiegereltern verzehrt werden sollte.
Das Lokal Leinen befand sich in Büdesheim, so daß die Junggesellen beschlossen, dorthin einen Sonntagsausflug zu machen und als Abschluß das spendierte Bierfaß zu leeren. Der Vereinswirt Nikolaus Arenth fuhr die Junggesellen mit pferdebespanntem Wagen nach Büdesheim. Dort entbrannte schließlich in der Gastwirtschaft, wahrscheinlich nach reichhaltigem Alkoholgenuß, ein Streit über die Büdesheimer Mädchen.
Wie nun dieser Streit verlief, schilderte der zu besagtem Zeitpunkt in Büdesheim weilende Kreis-sekretär José in einem Schreiben an die Bürgermeistereien von Schönecken und Mürlenbach vom 27.6.1892:
Gestern Abend 7 ¼ Uhr entstand in Büdesheim eine Schlägerei zwischen dem Junggesellen-Verein in Schönecken und Büdesheimer Einheimischen, welche mit blutigen Köpfen endete. Neben großen Holzstücken spielten Messer, Eisenstangen, Mistgabeln etc. eine verhängnisvolle Rolle. Sie (an die Bürgermeister gerichtet, der Verf.) wollen sofort mit Hilfe der Gendarmerie an Ort und Stelle die nötigen Erhebungen anstellen und die Schuldigen ermitteln lassen, damit dieselben zur Bestrafung herangezogen werden.
Dem anwesenden Kreissekretär, welcher sich in Begleitung des Dr. Lemmen, Forstassessor Israel und mehreren anderen Herren und Damen befand, wurde, als er vom Fenster des Leinen`schen Hauses aus die Täter zum Ablassen von ihren Untaten ermahnte, die Drohung zuteil, "er solle nur herunterkommen, dann bekomme er auch was ab". Eine solche Roheit und Besinnungslosigkeit ist noch nicht am hellen Tage auf irgendeinem Dorfe des Kreises gesehen worden. Polizei war nicht zu entdecken.
Auch der Wirt konnte nichts ausrichten. Abends hielten noch Schönecker Burschen, mit Mistgabeln versehen, die Dorfstraßen besetzt. Eine ganz exemplarische Bestrafung ist Ihrerseits bei der Staatsanwaltschaft zu beantragen.
Zum Sonntag, Montag und Dienstag sind 3 Gendarmen nach Büdesheim commandiert.
Abschrift erhalten Eure Wohlgeboren zur gefl. Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen, dem Bürger-meisteramt Mürlenbach bei Ermittlung der Täter zur Hand zu gehen. Der Fahnenträger soll nämlich den Anfang gemacht haben.
Der Untersuchungsrichter des Landgerichts Trier leitete nach diesen Geschehnissen eine Strafsache gegen "Jacob Friederichs zu Schönecken und Genossen" ein. Dazu lud er folgende Schönecker als Zeugen vor:
Arenth Nikolaus, Gastwirt; Irsfeld Franz, Bäcker; Irsfeld Nilolaus, Ackerer; Neuerburg Nikolaus, Ackerer aus Wetteldorf; Hermes Theodor, Tagelöhner; Jakobs Christian, Schreiner; Schertes Matthisa, Ackerer; Schott Peter, Kaufmann; Brück Franz, Tagelöhner; Friedrichs Matthias, Tage-löhner; Robling Moritz, Tagelöhner; Zimmer Jakob, Mühlenknecht.
Wohl um einer möglichen Strafe zu entgehen, wanderten kurz nach diesem Ereignis zwei Sodalen ohne amtliche Genehmigung nach Amerika aus: Benedikt Rosch, Tagelöhner, und Apollinar Seiwerath, Schuhmacher. Dieser Apollinar Seiwerath war Fähnrich der Sodalität und soll laut mündlicher Über-lieferung in Schönecken "ein barbarischer Schläger" gewesen sein. Der Überlieferung zufolge sollen auch fast alle heimkehrenden Sodalen Blessuren davon getragen haben. Viele hätten Kopfverbände angelegt. In Anspielung darauf sagte man in Schönecken später über die Beteiligten, sie hätten eine "Büdesheimer Kapuze" getragen. Die Schilderungen der Ereignisse von den Teilnehmern sollen meistens mit den Worten geendet haben: "Jungen, doa hoat et jeschloan."

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung
Junggesellensodalität Schönecken

 

Do suz och nach en annere Maan aus Beddeshem, dän dofirr bekaant woar, dat hä jären de Schalek mat de Legge much. Dä Maan sod zu de Jongen "Wenn dier et pakt aus irjend em Hoascht en deck Schonk här ze brängen, dan halen ech ech dä janzen Owend frej, dan konnt dir ech es saat Bier tranken. Dat brocht hän de Jongen net zwämol ze sôôn. Sej wossten och riecht, wo de best Schonk ze holle woar, nämlich bej däm selwer, dän sej dofirr ajestalt haat.
Welle woar awer noch dat Kätchen, däm Moan seng Tochter dohem, die dorft jo awer nejst merken, von däm wat sej virrhaten. Su jungen Hanni, Mechel un Bärend eran, firr maa Kätchen hirr Jucht ze machen.
Pitter un Johann kläterten an den Hoascht un holten de Schonk. Wie die zwien boußen fleten, wossten die anner drej, dat sej kunn muten.
Bej Manderscheids juf sech du es saat Schonk järs und Bier jetronk. Bemol mient dä Maan zu de Jongen: "Well mut dier mir awer noch son, wo dier die jut Schonk jeholt hät!" - "Ja", soten de Jongen du, "dou häs net nemmen de Bier bezahlt, dou has ach nach de Schonk jestahlt."
Van du an, hät sech dä Maan jut iwerloascht mat wäm hän de Schalek much.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung: Inge Schütz (geb. Geimer), Prüm - Dausfelder Höhe
Diese und noch mehr Geschichten aus der Eifel kann man nachlesen im Buch: "Eefeler Steckelcher on Vôzellcher", dass man im Buchhandel oder beim
Geschichtsverein Prümer Land e. V. erwerben kann. Eine Mundart-CD dazu gibt es ebenfalls.