Samtig-weiche Wasserfälle oder Stromschnellen? Hier ist die Antwort!

Wer kennt sie nicht, die Fotos aus Bildbänden, in denen samtig-weiche Wasser-fälle oder Stromschnellen dargestellt werden. Oft sagt man sich da, das möchte ich auch können. Warum eigentlich nicht?

Aber damit beginnt auch eine Streitfrage unter den Fotografen: Samt-weiches Foto mit fließendem Verlauf - sieht aus wie Watte, oder ein dynamisches Foto mit eingefrorenem Charakter? Das samt-weiche Foto erzielt man mit langen Verschlusszeiten, das dyna-mische Foto mit kurzen Verschlusszeiten, man erkennt halt die Wassertropfen - das Foto wird quasi eingefroren. Wie dem auch sei, es ist alles eine Frage des Geschmacks.

Die Fließbewegung eines Wasserfalls lässt sich mit der Programmautomatik bzw. im Automatikmodus nicht wirklich gut einfangen. Beeindruckende Fotos erhält man erst mit dem Einsatz von langen (mehrere Sekunden) Belichtungszeiten.

Was muss man denn beachten? - Man muss die richtige Belichtungszeit finden.
Wenn man lange belichten will, muss eigentlich nur dafür sorgen, dass wenig Licht auf den Sensor gelangt. Das bedeutet: Soweit wie möglich runter mit der ISO-Empfindlich-keit. Wenn möglich ISO 100 an der Kamera einstellen. Zwingend dazu ist der Einsatz eines stabilen Statives und man muss die Blende schließen, am besten auf 8 oder 11 stellen. Stellen Sie hierzu ruhig die Kamera auf Blendenvorwahl - je nach Kameramodell auf "A" oder "AV" - und schließen die Blende. Nur, am hellen Tag wird man aber selbst bei kleinster Blende (16, 22 oder auch 32) keine richtige lange Belichtungszeit hin-bekommen. Optimal ist eine Einstellung von Blende 22 oder 32 auch nicht, denn bei solch starker Abblendung leidet wiederum die Gesamtschärfe des Bildes. Wie weiter oben schon geschrieben, die idealen Blenden hierfür sind Blende 8 oder 11.
Was ist jetzt die Lösung hier? Man benutzt einen Neutraldichte-Filter, auch kurz Grau-filter genannt. Dieser wird entweder auf das Objektiv geschraubt oder per Filterhalter vor das Objektiv gesteckt und lässt einfach weniger Licht auf den Sensor fallen. Diese sogenannten ND-Filter gibt es in verschiedenen Stärken. Für ein Motiv wie ein Wasser-fall empfehle ich einen ND-Filter der Stärke 4 (ND4) oder 8 (ND8) der um 2/4 ganze Blendenstufen abdunkelt. Nachteil an dieser Methode: Oft funktionieren Autofokus und Belichtungsmessung dann nicht mehr, sodass man komplett manuell arbeiten muss. Die Wirkung überzeugt aber - wirklich.
Tipp: Hat man keine passenden ND-Filter zur Hand - ein Schweißschutzglass aus dem Baumarkt tut es auch. Strahlenden Sonnenschein vermeiden, da es zu großen Kontrasten kommt.
Wichtiges Zubehör: Stabiles Stativ und wenn möglich Fernauslöser, alternativ: Die Selbstauslöser-Funktion der Kamera. Auch sollte man wenn möglich die Spiegelvoraus-lösung bei einer Spiegelreflexkamera ausschalten.
So, und jetzt viel Spass und Vergnügen beim Ausprobieren.

Hier zeige ich weitere Fotos

 
Der Wasserfall "Dreimühlen" bei Nohn (Hillesheim) in der Eifel. Foto Udo Schikora.